Die Freiburgischen Verkehrsbetriebe präsentieren den neuen Bahnhof Bulle

Eine Stadt in der Stadt – so lautet das Konzept

Diesen Freitag, 9. November 2018, haben die Freiburgischen Verkehrsbetriebe (TPF) das Ergebnis des Wettbewerbs für das Gebäude des neuen Bahnhofs von Bulle enthüllt und das Projekt für das Gebäude vorgestellt. Es handelt sich dabei um den bedeutendsten Teil des neuen Quartiers im Stadtkern von Bulle auf der derzeitigen Industriebrache der TPF, die damit aufgewertet wird. Im Anschluss an den Architekturwettbewerb sprach sich die Jury einstimmig für das Projekt des Unternehmens Halter im Verbund mit den Architekturbüros IttenBrechbühl und Strata aus, um die Entwicklung des Projekts in diesem engen Kreis fortzusetzen. Darüber hinaus nahmen die TPF ihre Präsentation zum Anlass, auch den umfassenden Sachstand des Programms Bulle sowie den Zeitplan für die grossen Eisenbahninfrastrukturarbeiten und die Neugestaltung des öffentlichen Raums im Bahnhofsquartier vorzustellen.

Mit ihrem von der Wettbewerbsjury berücksichtigten Projekt für das neue Bahnhofsgebäude von Bulle schlägt das Unternehmen Halter eine Lösung vor, die sich weitgehend in die verschiedenen Identitäts- und Stadtmerkmale der Stadt Bulle einfügt. Die Jury ist der Auffassung, dass dieses Projekt bemerkenswerte organisatorische und ästhetische Qualitäten aufweist und wählte es deshalb aus den Projekten der drei Finalisten aus. Es erlaubt insbesondere, die Zweckbestimmung des neuen Bahnhofsgebäudes mit den Nachbarelementen, wie den neuen Eisenbahninfrastrukturen und dem neuen Bahnhofsplatz, in sachgemässen Einklang zu bringen. Sein architektonischer Teil fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und bietet gleichzeitig das Potential, ein neues Stadtmerkmal zu schaffen.
 
Das zukunftsweisende Gebäude besteht aus einem zweistöckigen Grundbau für kommerzielle Tätigkeiten, auf dem sich zwei Gebäude in L-Form erheben, die einen bepflanzten und zur umgebenden Landschaft hin offenen Innenhof bilden. In den beiden oberen Stockwerken werden Büros und qualitativ hochstehende Mietwohnungen untergebracht. Das Programm wird durch ein gehobenes Dreisterne-Hotel mit 80 Zimmern ergänzt. Die TPF stehen im vertraulichen Gespräch mit der Hotelkette Diana Collection, damit die neue Hoteleinrichtung künftig unter der Bezeichnung Hotel.D – Bulle geführt werden kann. Im Untergeschoss wird ein unterirdisches Parkhaus mit 275 Parkplätzen für die gesamte Anlage gebaut.
 
Ergebnis der Ausschreibung unter Generalunternehmen
 
Die TPF schrieben den Architekturwettbewerb für Generalunternehmen im März 2017 aus. Er wurde in drei Runden organisiert und hatte zum Zweck, mehrere architektonische Projekte für das neue Bahnhofsgebäude gegenüberzustellen.
 
Nach einer ersten Phase, in der eine zunächst eine «administrative» Auswahl der Unternehmen getroffen wurde und die im April 2017 beendet war, schloss diese erste Runde im September des gleichen Jahres. Unter den acht Unternehmen, die in dieser Runde Projekte eingereicht hatten, wählte die Wettbewerbsjury drei Unternehmen für die zweite Runde aus.
 
Die zweite Runde endete im Juni 2018. Zu diesem Zeitpunkt erkor die Jury einstimmig das Projekt des Unternehmens Halter im Verbund mit den Architekturbüros IttenBrechbühl und Strata zum Gewinner.
 
Um das Projekt zu optimieren, wurde im Verlauf des Sommers 2018 eine dritte Runde für die Konsolidierung des Projekts organisiert.
 
Der Investitionsbetrag wird auf 80 Millionen Franken geschätzt und vollumfänglich von TPF IMMO finanziert.
Der Beginn der Vorarbeiten ist für Herbst 2019 vorgesehen, die Betriebsaufnahme des Gebäudes soll im Dezember 2021 erfolgen. Die Arbeiten für das neue Bahnhofsgebäude werden mit jenen für die neue Eisenbahninfrastruktur und die Gestaltung des öffentlichen Raums koordiniert.
 
Veröffentlichung des vollständigen Zeitplans für das Programm Bulle
 
Bis 2030 wird die Stadt Bulle 7'000 zusätzliche Einwohner aufnehmen und bis 4'000 tägliche Nutzer des öffentlichen Verkehrs mehr aufweisen. Um diesem starken Wachstum zu begegnen, haben die TPF ein Konzept entwickelt, das den Namen Programm Bulle trägt und alle Eisenbahninfrastruktur- sowie Immobilienprojekte umfasst.
Um die Neugestaltung des Bahnhofs Bulle zu ermöglichen, werden die für das Umladen des Güterverkehrs und Abstellen des Eisenbahnrollmaterials notwendigen Anlagen in das Gebiet von Planchy verlegt. Zudem wird in diesem Gebiet ein Kreuzungsgleis eingebaut, um die Streckenkapazitäten zu erhöhen und die Fahrzeiten zwischen Bulle, Romont und Freiburg zu optimieren. Für diese Arbeiten wird mit 51 Millionen Franken gerechnet. Sie werden vollumfänglich von der Eidgenossenschaft im Rahmen der Finanzierung und des Ausbaus der Bahninfrastruktur (FABI) getragen. 
 
Nach Erhalt der PGV (Plangenehmigungsverfügung) des Bundesamtes für Verkehr (BAV) im Januar 2019 ist der Baubeginn für März 2019 vorgesehen. Mit der Inbetriebnahme kann im Dezember 2020 gerechnet werden.
Die TPF werden diese Arbeiten nutzen, um das in die Jahre gekommene Elektrizitätsunterwerk (Strom-Umwandlungsmodul für die Anpassung an den Eisenbahnverbrauch) zu ersetzen und dieses in das Industriegebiet Planchy zu verlegen. Die Kosten dieser Arbeiten werden auf 1,6 Millionen Franken geschätzt.
 
Arbeiten für den neuen Bahnhof Bulle sind für 2019 vorgesehen
 
Um das höhere Aufkommen an Reisenden zu bewältigen und gleichzeitig die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) zu erfüllen, werden die TPF den heutigen Bahnhof Bulle verlegen. Vorgesehen sind eine neue Unterführung sowie zwei neue überdachte, zentrale Bahnsteige und zwei Seitenbahnsteige. Während den Arbeiten ab Sommer 2010 bis Ende 2021 wird der Bahnhof Bulle zweigeteilt. Auf der westlichen Seite auf Bahnhofsebene wird ein provisorischer Bahnsteig eingebaut: Dort werden die Linien Palézieux   Châtel-St-Denis   Bulle und Bulle-Romont enden. Die Züge der Linien Bulle-Broc Fabrique und Bulle-Montbovon bedienen weiterhin den heutigen Bahnhof. Die Eisenbahnarbeiten werden auf 71 Millionen Franken geschätzt, die aus dem FABI gedeckt werden. Es ist vorgesehen, die PGV des BAV Mitte 2019 zu erhalten. Die TPF beginnen im September 2019 mit dem Rückbau der heutigen Infrastruktur. Die Bauarbeiten folgen Anfang 2020. Der neue Bahnhof wird im Dezember 2022 in Betrieb genommen. Die Schnittstelle zu den Mobul-Bussen wird in die Nähe des neuen Bahnhofs verlegt. Der Busbahnhof mit seinen Regionalbussen wird vor den heutigen Bahnhof verlegt.
 
Broc wird im Dezember 2022 an das nationale Netz angeschlossen
 
Die Erneuerung der Linie Bulle-Broc Fabrique mit einem Wechsel von der Meter- zur Normalspur wird eine Integration in die RER Fribourg | Freiburg ermöglichen und die Attraktivität der Linie erhöhen. Die Haltestellen La Tour-de-Trême, Broc-Village und Broc-Fabrique werden aufgerüstet, damit sie die Anforderungen des BehiG erfüllen. Die Buslinien werden im Hinblick auf die Verbesserung des Netzgedankens des öffentlichen Verkehrssystems noch einmal überdacht. Der Einsatz des Rollmaterials wird optimiert, und die Betriebskosten werden beträchtlich gesenkt. Die Wirtschaftlichkeit der Strecke wird erhöht und damit ihr Fortbestehen gesichert.
 
Die öffentliche Ausschreibung des Spurumbaus Bulle-Broc Fabrique ist abgeschlossen. Sechs unter den ursprünglich acht eingereichten Einsprachen werden derzeit behandelt. Von Oktober 2019 bis Juni 2021 sind die ersten Trassenvorarbeiten im Abhang nach Broc vorgesehen. Die Eisenbahnarbeiten werden von Mitte 2021 bis Ende 2022 dauern. Die Inbetriebnahme wird für Dezember 2022 erwartet. Die Arbeiten werden von der FABI getragen und sind mit 66 Millionen Franken veranschlagt.
 
Drei Hektar öffentlichen Raums gestalten
 
Parallel zur Konzeption des neuen Bahnhofsgebäudes und den Studien zur neuen Eisenbahninfrastruktur leiteten die Freiburgischen Verkehrsbetriebe und die Stadt Bulle ein gemeinsames Vorhaben für die Verkehrsführung und Konzeption der öffentlichen Räume im neuen Bahnhofsgebiet ein.
 
Im Rahmen mehrerer Workshops einer Arbeitsgruppe – bestehend aus Vertretern der TPF und der Stadt Bulle, Fachleuten im Bereich öffentlicher Raum und multidisziplinären Auftragnehmern – , die mit der Konzeption eines Vorprojekts beauftragt war, konnte die Gestaltung der neuen, im Gebiet des Bahnhofs entstehenden öffentlichen Räume, festgelegt werden. 
 
Dieses Vorhaben diente auch dazu, die Organisation des öffentlichen Verkehrsnetzes an der Schnittstelle zum Bahnhof zu klären und die Gestaltung sowie die Einrichtungen für die sanfte Mobilität zu bestimmen, welche die Inbetriebnahme der neuen Schnittstelle zum Bahnhof begleiten werden. Diese Arbeitsgruppe legte auch Vorschläge zur Aufwertung mehrerer bestehender Achsen vor, insbesondere für die Albert-Rieter-Strasse und die Avenue de la Lécheretta. Die festgelegte Gestaltung begünstigt die sanfte Mobilität und den öffentlichen Verkehr und hebt emblematische Umgebungselemente hervor. Dazu gehören insbesondere ein Fahrradabstellplatz für 300 Fahrräder und ein Grünstreifen, der das Stadtzentrum mit dem Gebiet von Planchy verbindet.
 
Bahnhofsplatz für Fussgänger und Fahrräder
 
Der neue Bahnhofsplatz wird Fussgängern und Fahrrädern vorbehalten sein. Seine Gestaltung wird dazu beitragen, in der Stadt Bulle einen neuen grossen öffentlichen Raum zu schaffen. Als Begegnungsort und wichtigster Verbindungsknoten zwischen den verschiedenen Teilen der neuen Schnittstelle zum Bahnhof wird er rasch zu einem Anziehungspunkt für die ganze Region werden.
 
Das Mobul-Netz wird ebenfalls in den Genuss eines neuen Anschlusspunktes mit vier Steigen kommen, die direkt mit dem neuen Bahnhofsplatz verbunden sind. 
 
Die Rieter-Strasse wird einzig der sanften Mobilität, dem öffentlichen Verkehr und dem motorisierten Verkehr der Anwohner vorbehalten sein. Ihre Gestaltung wird noch einmal vollständig überdacht, um daraus eine starke Achse für die sanfte Mobilität und eine Hauptverbindung zwischen der neuen Schnittstelle zum Bahnhof und dem historischen Stadtzentrum zu schaffen.
 
Ein neuer regionaler Busbahnhof wird westlich des neuen Bahnhofsplatzes eingerichtet. Er wird aus sechs Steigen unter freiem Himmel bestehen. Parkplätze für Taxis, Kurzzeitparker, Mobility-Fahrzeuge sowie Abstellplätze für Fahr- und Motorräder ergänzen diese neue Einrichtung.
 
Zwischen dem neuen und dem alten Bahnhof wird ein neuer öffentlicher Raum für die sanfte Mobilität geschaffen. Und schliesslich wird die vor dem heutigen Bahnhof aufgestellte Skulptur, die einen Stier darstellt, am gleichen, jedoch komplett neu gestalteten Standort, belassen.
 
Die Gesamtkosten für die vorgesehene Gestaltung belaufen sich auf ungefähr 12 Millionen Franken. Die Finanzierung der Arbeiten wird unter der Stadt Bulle, den TPF und den weiteren Eigentümern im Gebiet des Detail-Gestaltungsplans aufgeteilt. Derzeit bereiten die TPF ihre für 2019 geplante öffentliche Vernehmlassung vor und erwarten, dass die Baubewilligung im Sommer 2020 erteilt wird. Die Umbauten sollten bis Dezember 2021 abgeschlossen sein.
Grünstreifen zwischen Bulle und Planchy
 
Der „Grün"-Streifen von ungefähr 1,6 Kilometern wird aus einem asphaltierten, 3 Meter breiten Weg und zwei Unterführungen bestehen. Im bebauten Bereich werden Grünflächen eingerichtet, um die Monotonie auf der Wegstrecke zu unterbrechen. Die Arbeiten für den Grünstreifen, der den Bahnhof Bulle mit dem Industriegebiet von Planchy verbindet, beginnen Mitte 2019 mit dem Bau der Unterführung in der Nähe der Industriestrasse.
 
Die Inbetriebnahme der Unterführung wird in der zweiten Jahreshälfte 2020 erfolgen. Während eines Wochenendes im Sommer 2020 wird im Rahmen eines Grosseinsatzes die Unterführung Taillemaux eingebaut. Der dazugehörige Weg wird nach Beendigung der Eisenbahninfrastrukturarbeiten Anfang 2021 gebaut werden.
 
Die Inbetriebnahme des Grünstreifens ist für die zweite Jahreshälfte 2021 vorgesehen. Der zu investierende Betrag wird auf 6,3 Millionen Franken geschätzt. Die Kosten werden von der Stadt Bulle getragen.
Betriebseinstellungen
 
Diese Infrastrukturarbeiten werden mehrfach zu umfangreichen Betriebsstörungen führen, die sich von Mitte 2019 bis Ende 2022 auf den Bahnverkehr auswirken werden. Für den Schienenersatzverkehr durch Busse wird ein Konzept erstellt. Für die Arbeiten auf der Strecke Bulle-Romont wird in Vaulruz-Nord ein provisorischer Bahnsteig gebaut; der Ersatz durch Busse erfolgt zwischen Bulle und Vaulruz-Nord. Für den Kundenfluss werden die üblichen Informationsmittel für Reisende eingesetzt.
 
Website zum Programm Bulle für die aktuellsten Informationen
 
Zur Information der Anwohnerinnen und Anwohner und ihrer Kunden haben die Freiburgischen Verkehrsbetriebe heute eine Website aufgeschaltet, die speziell dem Programm Bulle und allen in diesem Zusammenhang vorgesehenen Arbeiten gewidmet ist. Beim Besuch von tpf.ch/bulle oder unter programme-bulle.ch findet die Öffentlichkeit Inhalte und Informationen zum Stand der verschiedenen Projekte. Diese werden regelmässig aktualisiert. Über diese Website kann auch ein Newsletter abonniert werden. Die Newsletter-Abonnenten erhalten alle wichtigen Informationen zum Programm Bulle und zu den vorgesehenen Arbeiten direkt per E-Mail.
 
 
Bulle, 9. November 2018

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