Präsentation des grössten Raumplanungs- und Städtebauprojkets des Kantons Freiburg

Das zukünftige Bahnhofquartier von Bulle neu entworfen

Die Freiburgischen Verkehrsbetriebe (TPF) und die Stadt Bulle enthüllten am Montag 14. Oktober 2013 die Pläne des zukünftigen Bahnhofareals, das sich in den kommenden zwanzig Jahren rund um den neuen Bahnhof Bulle entwickeln wird. Das moderne Städtebauprojekt erstreckt sich auf einen Perimeter von 90'000 m2. Es gliedert sich um einen echten Bahnhofplatz, der gleichzeitig die Funktion einer multimodalen Verkehrsplattform erfüllen wird. Wohnungen, Geschäfte und öffentliche Räume werden sich mit dem neuen Quartier verschmelzen, das nur unweit vom Stadtzentrum entfernt errichtet wird und wo letzten Endes rund 2'600 Personen wohnen und arbeiten werden.

Heute besteht der grösste Teil des Bahnhofquartiers Bulle aus industriellen Brachen und veralteten Gebäuden, die teilweise noch für den Betrieb des öffentlichen Verkehrs verwendet werden. In Zukunft werden all diese Einrichtungen in die Peripherie der Agglomeration verlegt, wobei riesige Landflächen im Zentrum der zweitgrössten Stadt des Kantons Freiburg freigelegt werden. Das auslösende Element der städteplanerischen Überlegungen sind die gesetzlichen Vorgaben, wonach der öffentliche Verkehr (ÖV) gemäss Behindertengleich-stellungsgesetz (BehiG) bis anfangs 2024 auch für Reisende mit einer Behinderung oder altersbedingter Einschränkung ausgebaut sein muss. Um diesen gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden, kommt für die TPF nur eine Verlegung des Bahnhofs  infrage.  Die daraus entstehende Herausforderung lässt sich an der zukünftigen wirschaftlichen und demografischen Entwicklung der Stadt Bulle messen, deren Bevölkerung sich in einem Zeithorizont von etwa 20 Jahren verdoppeln wird.

Das Modell des neuen Quartiers, das am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, entstand aus einem Studienauftragsverfahren (StA), das im Herbst 2002 eingeleitet wurde. Acht verschiedene Planungsbüros haben sich mit der städtebaulichen Entwicklung des 90'000 m2 grossen Stadtareals auseinandergesetzt, wobei allerdings die Lage der bestehenden Eisenbahninfrastrukturen sowie das geschützte Industriegebäude, das heute noch als Depot für das Rollmaterial der Schmalspurbahn dient, in der Planung berücksichtigt werden musste. Vier Planungsbüros kamen in die zweite Runde des Studienauftragsverfahrens, das von einem aus 17 Personen zusammengesetzten Expertenkollegium geleitet wurde. Darin vertreten waren verschiedene Partner (TPF, Stadt Bulle und weitere private Grundeigentümer) sowie Experten im Bereich der Raum- und Städteplanung. Das StA wurde von Herrn Bruno Marchand, Architekt und Städteplaner in Genf, geleitet. Die im StA-Verfahren auserkorenen Ideen stammten von den Architekturbüros "group8" in Genf für den Entwicklungsstandort des Bahnhofs und "delley deillon" in Bulle für die Wohnquartiere.

Ein Bahnhofplatz fast ausschliesslich als Fussgängerzone

Der zentrale Punkt des Raumplanungsprojekts ist das Schaffen eines echten, fast ausschliesslich als Fussgängerzone  dienenden Bahnhofplatzes, der direkt mit dem historischen Stadtzentrum Bulle verbunden ist. Dieser öffentliche Raum wird als multimodale Verkehrsplattform für den Eisenbahn-, Stadtbus- (MOBUL) und Taxiverkehr dienen. Im Untergeschoss ist ein Busbahnhof für den regionalen Busverkehr und eine Parkanlage für den motorisierten Individualverkehr vorgesehen. Geschäfte, Büros und Wohnungen werden dieses gemischte Quartier ergänzen, das im Norden des Perimeters gelegen ist, der für das StA in Betracht gezogen wurde. Das Quartier de la Colline du Moulin sowie das alte Depot im Süden der Eisenbahnlinie sind für den Wohnungsbau bestimmt. Das alte im Zentrum liegende und geschützte Schmalspurbahndepot wird Raum für öffentliche Einrichtungen bieten.

Der gesamte Perimeter dürfte mehr als 2'000 Einwohner aufnehmen, ungefähr 1000 Wohnungen umfassen und ein Potenzial von rund 600 Arbeitsplätzen bieten. Ungefähr 12'000 m2 sind für das Handwerks- und Kleingewerbe sowie für Verkaufsflächen vorgesehen, 11'000 m2 für Büroräumlichkeiten und 9'000 m2 für öffentliche Einrichtungen. Ein Hotel und ein Altersheim (EMS) könnten dieses Bauvorhaben, das insgesamt auch 1'300 Parkplätze umfasst, noch ergänzen. Die Planung sieht eine etappenweise Entwicklung dieser Zonen vor, die mit dem Bahnhof und der Verkehrsschnittstelle eingeleitet werden soll und sich unbestreitbar positiv auf die regionale Wirtschaft auswirken wird.

Priorität geht an die Eisenbahn

Die Ergebnisse aus dem Studienauftragsverfahren werden nun für die städtebauliche Detailplanung der Bahnhofplattform dienen, der im Ortsplan der Stadt Bulle vorgesehen ist. Die Pläne der auf 50 Millionen Franken eingeschätzten Bauarbeiten für das Eisenbahnprojekt sind zum grössten Teil schon erstellt. Sie werden in der Zeitspanne von 2016 bis 2022 umgesetzt und mit dem Bau der neuen Bahnstege beginnen, anschliessend mit der Verwirklichung der Empfangsinfrastrukturen für die Reisenden und mit der Verlegung zuerst der Normalspur- und dann der Schmalspurgeleisenetze zu Ende geführt.

Um das wichtige Projekt der Bahnhofplattform Bulle einer breiten Bevölkerung vorzustellen und zugänglich zu machen, wird am Comptoir gruérien, am Stand Espace Gruyère de Bulle (Stand Nr. 162, Sektor 10), vom 25. Oktober bis 3. November 2013, ein animiertes Modell des gesamten Bauvorhabens ausgestellt.

 

Freiburg und Bulle, den 14. Oktober 2013.


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